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Monty und das Cauda-Equina-Kompressionssyndrom – Wie Physiotherapie Lebensqualität schenken kann

  • 24. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Juni

Nahaufnahme eines fröhlich hechelnden Hundes bei der Physiotherapie
vor hellem Hintergrund.

Manche Hunde hinterlassen Spuren, die weit über Pfotenabdrücke hinausgehen. Monty war so ein Hund.


Der Australian Shepherd war ein ausgesprochen sanftmütiger, liebevoller und feinfühliger Begleiter. Er begegnete Menschen und anderen Tieren mit großer Ruhe und Sensibilität. Nie drängte er sich in den Vordergrund, vielmehr war er ein Hund, der aufmerksam beobachtete und seinem Umfeld mit Vertrauen begegnete.



Über viele Jahre durfte ich Monty physiotherapeutisch und osteopathisch begleiten. Seine Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie viel Lebensqualität auch bei einer chronischen neurologischen Erkrankung erhalten werden kann, wenn Therapie individuell auf das Tier abgestimmt wird.


Die ersten Anzeichen


Bei Monty wurde ein Cauda-Equina-Kompressionssyndrom diagnostiziert. Dabei kommt es im Bereich des Übergangs zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein zu einer Einengung von Nervenstrukturen. Die Folge können Schmerzen, neurologische Ausfälle und zunehmende Einschränkungen der Hinterhand sein.


Grundsätzlich kann eine operative Versorgung in bestimmten Fällen eine sinnvolle Behandlungsoption darstellen. Ob eine Operation möglich oder empfehlenswert ist, hängt jedoch immer von der individuellen Situation des Hundes ab.


Bei Monty kamen weitere gesundheitliche Herausforderungen hinzu. Neben seiner neurologischen Erkrankung litt er an einer Herzerkrankung sowie an Arthrose in anderen Gelenken. Dadurch war eine ganzheitliche Betrachtung seines Gesundheitszustandes besonders wichtig.


Im Alltag wurden die Auswirkungen der Erkrankung zunehmend sichtbar. Ein Hinterbein schleifte immer häufiger über den Boden. Seine Bewegungen wirkten teilweise unkoordiniert und die Kraft in der Hinterhand nahm spürbar ab.


Durch das Schleifen der Pfoten nutzten sich die Krallen ungewöhnlich stark ab. Wiederholt entstanden schmerzhafte Verletzungen an den Pfoten, die behandelt werden mussten. Zusätzlich veränderte sich sein Bewegungsmuster. Statt die Sprungkraft aus der Hinterhand zu entwickeln, kompensierte Monty immer stärker über die Muskulatur des Rumpfes.


Auch neurologische Auffälligkeiten wurden deutlicher. Seine Propriozeption, also das Körpergefühl der Hintergliedmaßen, war eingeschränkt. Betroffene Hunde können ihre Pfoten oft nicht mehr präzise wahrnehmen und setzen sie dadurch unsicher auf.


Zeitweise zeigten sich zudem Missempfindungen in den Hinterpfoten. Monty begann dann, die betroffenen Bereiche zu belecken oder daran zu knabbern. Parallel dazu nahm die Muskulatur der Hinterhand zunehmend ab und seine Belastbarkeit verringerte sich.



Therapie mit einem realistischen Ziel


Bei chronischen Erkrankungen steht nicht immer die Heilung im Vordergrund.


Viel wichtiger ist häufig die Frage: Wie kann ein Hund trotz seiner Erkrankung möglichst lange ein gutes Leben führen?


Genau dieses Ziel verfolgten wir bei Monty.


Die physiotherapeutische und osteopathische Begleitung sollte Schmerzen und neurologische Belastungen reduzieren, die Beweglichkeit erhalten und den funktionellen Abbau der Hinterhand möglichst verlangsamen. Gleichzeitig ging es darum, seine Selbstständigkeit im Alltag so lange wie möglich zu bewahren.



Fünf Jahre kontinuierliche Begleitung


Über einen Zeitraum von rund fünf Jahren wurde Monty regelmäßig behandelt, zeitweise ein- bis zweimal pro Woche.


Müder brauner Hund mit heraushängender Zunge liegt auf einem Untersuchungstisch, während eine Person ihn behandelt. Osteopathie und Physiotherapie in Bonn und Alfter

Dabei stand nicht nur die neurologische Problematik im Fokus. Auch seine Arthrose, seine allgemeine Beweglichkeit und die Auswirkungen seiner Herzerkrankung mussten bei jeder Behandlung berücksichtigt werden.


Die Therapie wurde deshalb immer wieder individuell angepasst. Ziel war es, vorhandene Fähigkeiten zu erhalten, Bewegungsabläufe zu unterstützen und Überlastungen frühzeitig entgegenzuwirken.


Ein wichtiger Bestandteil der Betreuung war außerdem die Wundversorgung. Durch das Schleifen der Pfoten kam es wiederholt zu Verletzungen, die eine sorgfältige Behandlung erforderten. Mit gezieltem Wundmanagement konnten bestehende Wunden gut versorgt und ihre Heilung unterstützt werden.


Gleichzeitig arbeiteten wir mit individuell angepassten Schutzmaßnahmen, Bandagen und Orthesen, um die empfindlichen Bereiche zu entlasten und erneute Verletzungen möglichst zu verhindern. Gerade bei neurologischen Patienten können solche Maßnahmen einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Mobilität und Lebensqualität zu erhalten.



Mehr als nur Bewegung


Wenn wir über Mobilität sprechen, denken viele zunächst an Laufen oder Treppensteigen. Für Hunde bedeutet Lebensqualität jedoch deutlich mehr.


Es geht darum, selbstständig aufzustehen.


Es geht darum, den eigenen Menschen zur Tür zu begleiten.


Es geht darum, weiterhin Teil des Familienalltags zu sein.


Genau das gelang Monty über einen außergewöhnlich langen Zeitraum.


Trotz der fortschreitenden Erkrankung blieb er aktiv, aufmerksam und in seinen Alltag eingebunden. Die regelmäßige physiotherapeutische und osteopathische Unterstützung half dabei, Belastungsspitzen besser zu kontrollieren und den funktionellen Abbau der Hinterhand deutlich zu verlangsamen.


Vor allem aber konnte Monty über viele Jahre das bleiben, was er immer war: ein Hund, der nicht nur versorgt wurde, sondern aktiv am Leben teilnahm.



Was Montys Geschichte zeigt


Nicht jede Erkrankung lässt sich vollständig heilen. Aber oft lässt sich beeinflussen, wie ein Tier mit dieser Erkrankung lebt.


Gerade bei neurologischen Erkrankungen, Arthrose oder anderen chronischen Beschwerden kann eine individuell angepasste Physiotherapie dazu beitragen, Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensfreude möglichst lange zu erhalten.


Montys Geschichte ist deshalb nicht nur die Geschichte einer Erkrankung.


Sie ist die Geschichte eines sanften Hundes, der trotz vieler gesundheitlicher Herausforderungen über Jahre hinweg aktiv am Leben teilnehmen konnte.


Und sie zeigt, dass Tierphysiotherapie weit mehr sein kann als reine Bewegungstherapie: Sie kann dazu beitragen, Lebensqualität zu bewahren – Tag für Tag, Schritt für Schritt.


Für mich war Monty weit mehr als ein Patient. Er war ein ganz besonderer Hund, den ich sehr ins Herz geschlossen habe und den ich von Herzen geliebt habe. Es war mir eine große Ehre, ihn über viele Jahre und bis zuletzt begleiten zu dürfen. Zu sehen, wie er trotz aller Herausforderungen immer wieder voller Ruhe, Würde und Lebensfreude durch den Alltag ging, hat mich tief berührt.


Frau mit lockigem Haar küsst und umarmt einen braun-weißen Hund auf der Behandlungsliege; beide wirken liebevoll und ruhig.

Genau deshalb liebe ich meine Arbeit. Nicht, weil ich jede Erkrankung heilen kann. Sondern weil ich Tieren helfen kann, sich wohler zu fühlen, wieder leichter aufzustehen, schmerzärmer zu laufen und noch viele wertvolle Momente mit ihren Menschen zu erleben. Denn am Ende sind es nicht die Diagnosen, die in Erinnerung bleiben – sondern die gemeinsamen Spaziergänge, die Begrüßungen an der Haustür, die Nähe, das Vertrauen und die Zeit, die wir unseren Tieren schenken dürfen.


Monty wird für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Und wenn ich an ihn denke, denke ich nicht an seine Erkrankungen. Ich denke an einen sanften, liebevollen Hund, der jeden Tag gezeigt hat, wie viel Stärke, Vertrauen und Lebensfreude in einem einzigen Tier stecken können.



Nadine von Pfotenresilienz









 
 
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